01.10.2021

„Jetzt, fühlt es sich richtig an“

Über 20 Jahre aktives Kunstturnen geht zu Ende. Elf Jahre durfte ich mit Stolz die Farben der Schweiz in der ganzen Welt repräsentieren. Insgesamt nahm ich an acht Europa-, sieben Weltmeisterschaften und drei Olympischen Sommerspielen, London, Rio und Tokio teil. In meiner Karriere konnte ich zwölf Medaillen an internationalen Wettkämpfen und vier Medaillen an den Europaspielen in Baku gewinnen. Dabei achtmal zuoberst auf dem Podest stehen und die Nationalhymne geniessen.

Die vielen schönen Momente die ich durch meinen Sport erleben durfte sind tief in meinem Herzen verwurzelt. Es ist nun Zeit, einen weiteren Schritt in die Zukunft zu machen und mich auf einen neuen Lebensabschnitt zu konzentrieren.

Ein grosses „Danke“ geht an meine Sponsoren, die mich über all die Jahre unterstützt und begleitet haben. Danke, meinen  Eltern für ihren unermüdlichen Einsatz, Tag für Tag, damit ich mich voll auf’s Kunstturnen konzentrieren konnte. Danke dem Schweizerischen Turnverband für das Vertrauen in mich. Danke an meine vielen „grossen“ und „kleinen“ Fans – ich seid einfach toll. Danke allen die mich in irgendeiner Weise auf meinem Weg begleitet und unterstützt haben. Das Turnen wird immer ein Teil von mir sein und auch bleiben! Peace out! Giulia

14.07.2021

Endlich geht es los! Am Donnerstag reise ich ab nach Tokio zu meinen dritten Olympischen Sommerspielen. 116 Athleten werden die Schweiz in Tokio vertreten. Auch wenn es ganz spezielle Wettkämpfe geben wird – Tokio ist einfach eine geniale Stadt!

Wir werden uns zwischen der Wettkampfhalle und dem Olympischen Dorf, dort auch nur eingeschränkt, bewegen dürfen.

Meine Vorbereitung auf das Saisonhighlight verlief nicht optimal. Der Muskelfaserriss im Oberschenkel hat mir länger zu schaffen gemacht als ursprünglich gedacht. Nichts desto trotz werde ich alles daran setzen, um meine Ziele, den Mehrkampffinal, den Sprungfinal und wenn es gut läuft auch den Bodenfinal zu erreichen.

Ich freue mich auf die Wettkämpfe und hoffe auf viel Unterstützung aus der Schweiz.

Eure Giulia.

22.04.2021

Endlich wieder Wettkampfluft schnuppern. Einfach ein schönes Gefühl. Ich freue mich sehr, dass ich mich für den Mehrkampffinal, Sprungfinal und Bodenfinal qualifizieren konnte.

Vielen Dank für die Unterstützung. Ich konnte eure virtuelle Unterstützung förmlich spüren. Jetzt muss ich mich schnell erholen damit ich für den Mehrkampffinal am Freitag Vollgas geben kann.

Foto: Quelle STV

05.11.2020

Der Schweizerische Turnverband hat entschieden, aufgrund der Gesundheitsrisiken für die Athletinnen und Athleten, auf einen Start an den Europameisterschaften in Mersin (TUR) zu verzichten.

Gleichzeitig sind die Schweizer Meisterschaften Kunstturnen in Schaffhausen aufgrund der verschärften Vorschriften des Bundes auch abgesagt worden.

Seit einem Jahr keine Wettkämpfe, dass ist eine sehr schwierige und belastende Zeit. Nur zu trainieren ohne die Uebungen einem Publikum zu zeigen, ohne sich mit der Welt- oder Europaelite messen zu können, ist manchmal unglaublich schwer zu ertragen.

Trotzdem müssen wir jetzt alle vernünftig handeln, die Schutzkonzepte einhalten und positiv in die Zukunft schauen.

Bleibt gesund und positiv, dann schaffen wir auch diese Hürde.

Bild: Quelle STV

04.10.2020

Nach der Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio auf nächstes Jahr 2021, hatte ich grosse Zweifel, ob ich meinen Körper noch weiterhin den Belastungen des intensiven Trainings aussetzen möchte. Sobald wir aber nach der Covid-19 Pause das Training wieder intensivert hatten, war klar, dass ich meine Karriere bis mindestens nächsten Sommer fortsetzen werde. Mit einem Rücktritt konnte ich mich noch nicht abfinden. Deswegen bleibt mein Ziel Tokio 2021. Meine Trainings liefen besser als erwartet und ich hatte meine Elemente schnell wieder im Griff. Ich freue mich auf die kommenden Herausforderungen und werde mein Bestes geben.

Foto: Quelle STV

10.05.2020

Zeit für sich selber – Zeit für die Familie – Zeit zum Nachdenken

Zeit zum Runterfahren – Zeit für Zukunftsgedanken

 

Soviel Zeit hatte ich seit 12 Jahren nicht mehr. 8 Wochen konnte ich mich bei meiner Familie in Gossau aufhalten und ein Zusammenleben wahrnehmen, dass ich seit sehr sehr langer Zeit in diesem Ausmass nicht mehr kannte. Es war speziell unter der Woche aufzuwachen und jemanden aus der Familie beim Frühstück zu treffen (aufgrund der Kurzarbeit war meist einer meiner Elternteile zuhause). Zusammen Kochen und Auge in Auge Gespräche führen, welche sonst meist übers Telefon liefen, da die gemeinsame Zeit am Wochenende oftmals verbucht war, Spiele spielen oder gemeinsam trainieren. Ich habe gepuzzelt, gezeichnet, Sudoku gespielt, Gartenarbeiten verrichtet, Wände gestrichen, meine Zukunftspläne etwas genauer unter die Lupe genommen.

Mit meinem Vater unternahm ich Bike Touren, meine Mam machte mit mir meine täglichen Workouts, was oftmals in lautem Gelächter endete, wenn sie die Übungen einfach nicht hinkriegte. 1 Stunde hielt sie aber immer mit, den Rest machte ich dann für mich alleine 😉

Wir unternahmen auch Wanderungen in der Umgebung rund um meine Heimatstadt Gossau.

Es war toll, so eine Trainingsunterstützung zu haben. Vielen Dank!

Diese spezielle Zeit wird sich für immer einprägen, auch da ich mir sehr viele Gedanken zur Weltentwicklung, unserem Weltbild und unserer Gesundheit mache.

Ab Montag, 11. Mai beginnt unser Trainingsalltag in Magglingen. Natürlich trainieren auch wir sehr eingeschränkt nach den Vorschriften des Schutzgesetzes vom Bund.

Für mich persönlich heisst dies herauszufinden, ob ich wirklich nochmals zurück in diesen strukturierten Alltag will? Ob mir diese Art von Leben als Profisportlerin nochmals die volle Zufriedenheit bringt? An der Motivation liegt es nicht, aber macht mein Körper das ganze Aufbautraining nochmals mit? Um an der Weltspitze mithalten zu können, muss mein Körper und mein Geist im Einklang sein. Neue Elemente müssen in die Übungen eingebaut werden, und alle Präsentationen bis ins letzte Detail stimmen, und nur dann kann ich wieder um Medaillen mitkämpfen. Ob dies gelingt werden wir sehen.

Ich wünsche Euch allen gute Gesundheit, hört auf euren Geist und euren Körper, lasst die Sonne in euer Gemüt und seid glücklich.

 

Eure Giulia

 

16.04.2020

Qualifiziert!

Auch im Jahr 2004 hiess es nach der Nachwuchskaderprüfung: Qualifiziert für das Schweizerische Nachwuchskader. Was war ich froh bereits zum 3x diese Herausforderung überstanden zu haben (2002/2003)

In der Zeitung stand dann folgendes:

„Am 1. Dezember 2004 fand in Utzenstorf BE die Aufnahmeprüfung der Kunstturnerinnen ins Schweizerische Nachwuchskader statt.

Das TZ Fürstenland war mit sechs Turnerinnen der Jahrgänge 92-94 vertreten. Die Mädchen hatten den ganzen Tag ihr Können in Technik, Kraft und Beweglichkeit den anwesenden Trainern des Schweizerischen Turnverbandes unter Beweis zu stellen. Der Cheftrainer des Nachwuchskaders, Amodio de Respinis, war sehr angetan vom hohen Leistungsniveau der Sportlerinnen. Unsere Mädchen des TZ Fürstenland wuchsen schlichtweg über sich hinaus und erreichten hervorragende Resultate. Aurelia Steinemann, Stefanie Rechsteiner, Jennifer Rutz, Alana Beck, Noemi Grau und Giulia Steingruber sind ab sofort ins Schweizerische Nachwuchskader aufgenommen. Sie alle haben sich bereits am kommenden Wochenende zur ersten Bewährungsprobe in Magglingen einzufinden. Der Vorstand und sein Umfeld sind stolz auf seine Turnerinnen und auch auf die erfolgreiche Arbeit seiner Trainerin Marianne Steinemann mit ihrer Crew.“

Ja und dann kam es mein erstes Trainingslager in Magglingen. Da hatte ich sicher noch nicht im Hinterkopf, dass dies in naher Zukunft mein zweites Zuhause sein wird.

Eure Giulia

07.10.2019

Mein erster internationaler Titelkampf seit 2017 in Montreal

Der Mehrkampf ist mir bis auf einen Fehler am Barren sehr gut gelungen. Mit 53.732 habe ich mich für das Mehrkampffinale und gleichzeitig für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifiziert. Die Freude, dieses Ziel erreicht zu haben, ist riesig. Was mich ein wenig nervt ist, dass ich den Jurtschenko mit Doppelschraube beim Wettkampf unsauber gesprungen bin. Somit habe ich die Qualifikation für das Sprungfinale um 1/10 Punkt verpasst. Nun freue ich mich auf das Mehrkampfinale am Donnerstag, 10. Oktober 2019 und werden nochmals mein Bestes geben.

Gruss Eure Giulia

Foto: STV/Jasmin Schneebeli-Wochner

06.09.2019

14 Monate nach meinem Kreuzbandriss im linken Knie starte ich am Wochenende an den Schweizermeisterschaften Kunstturnen in Romont. Die Freude ist riesig, aber ich habe auch grossen Respekt vor dem Wettkampf. Das Adrenalin hat mir gefehlt, auch das Gefühl des Wettkampfs. Ich habe das Turnen vermisst. Es ist und bleibt meine Leidenschaft, und so lange das so ist, mache ich weiter. Zuerst gilt für mich, sich wieder an den Wettkampfmodus zu gewöhnen. Mein Ziel ist es, möglichst fehlerfrei zu turnen.

Liebe Grüsse Eure Giulia

20.08.2019

Bereits mehr als ein Jahr ist vergangen seit dem Kreuzbandriss am linken Knie.  Ich werde am Wochenende des 7./8. September in Romont die Schweizer Meisterschaften bestreiten. Der Formaufbau stimmt mich zuversichtlich und die Vorfreude ist riesig.

Zunächst stehen Ende der kommenden Woche interne Qualifikationswettkämpfe an. Dann folgen die Schweizer Meisterschaften mit einer ersten Standortbestimmung. Ich werde sicher noch nicht den höchsten Schwierigkeitsgrad meiner Übungen wählen. Das grosse Ziel dieses Jahr bleiben die Weltmeisterschaften anfangs Oktober in Stuttgart. Dort wird sich zeigen, wie mein Körper im Wettkampfmodus reagiert. Drückt mir die Daumen.

Liebe Grüsse

Giulia

21.06.2019

Emotionale Begegnung mit Sarah van Berkel.

Der einstigen Eiskunstläuferin und heutigen SI-Sportredaktorin Sarah van Berkel öffnet Kunstturnerin Giulia beim Gespräch in Magglingen eine Stunde lang ihr Herz. Lest selber in der SI Sport – Salto glückwärts 

Vielen Dank für das tolle Gespräch und die super Fotos!

Text: Sarah van Berkel Fotos: Christoph Köstlin

05.05.2019

Die Zeit im EP (Einführungsprogramm) und den ersten Wettkämpfen mit kleinen Niederlagen und grossen Siegen ging schnell vorbei. Kunstturnen machte mir Spass, das Training war super toll und es war mir egal am Mittwochnachmittag nicht an Geburtstagsparties gehen zu können. Mein Bewegungsdrang in der Turnhalle ausleben zu dürfen stand im Vordergrund.

2003 wurde ich eine Stufe höher im Programm 1 eingeteilt. Neue Schwierigkeiten einstudieren, Trainingseinheiten erhöhen und ein neues Vereinsdress mit Glitzersteinchen (juhui endlich Glitzersternchen auf dem Dress). Mit verschiedenen Wettkämpfen über die Frühlingszeit erreichte ich als zweitbeste Turnerin im P1 (hinter Rahel Masaeli / ZH) die Qualifikation für die Schweizer Juniorinnen Meisterschaft in Chiasso TI.

Wir reisten mit einer grossen Fangemeinde am 07./08. Juni 2003 nach Chiasso. Ich turnte einen sehr guten Wettkampf, aber Rahel lag nach drei Geräten wieder knapp vor mir. Der Zitterbalken entschied dann unseren Wettkampf zu meinen Gunsten. Rahel fiel bei der halben Pirouette vom Gerät und somit durfte ich meinen ersten Schweizermeister-Juniorinnen Titel P1 feiern. Ariana Zill, Livia Hofstetter und ich waren dann auch noch die glücklichen Mannschaftssieger im Programm 1.

Das war schon cool, Juniorinnen Schweizer Meisterin im Programm 1! So kann es doch weitergehen, oder?!